Das Eisenbahnerheim


Margaretenstraße 166/Margaretengürtel, 1050 Wien

 

Gründung

Die als Architekten wirkenden Brüder Hubert und Franz Gessner errichteten in den Jahren 1912/1913 für den Verein der Eisenbahner an der Kreuzung Margaretenstraße 166/Margaretengürtel 136 das Eisenbahnerheim - das am 7. Dezember 1913 eröffnet wurde. Es wurde als Bürohaus mit Kongresszentrum und Übernachtungsräumen für aus den Bundesländern anreisende Kollegen konzipiert.

Die Fassaden sind mit den Flügelrädern, dem Symbol der Eisenbahn und einer allegorischen Darstellung der Semmeringbahn geschmückt.

Bis 2006 war hier der Sitz der Gewerkschaft der Eisenbahner danach bis 2010 der Gewerkschaft vida.

1934

Im Schicksalsjahr 1934, in dem das Parlament durch einen Staatsstreich ausgeschaltet wurde und durch eine austrofaschistische Diktatur ersetzt wurde, wurden Parteien und viele Vereine in Österreich verboten. So wurden auch die freien Gewerkschaften verboten – und damit auch der „Rechts- und Gewerkschaftsverein der Österreichischen Eisenbahner“.

Bei der Generalversammlung des "Rechtsschutz- und Gewerkschaftsvereines der Österreichischen Eisenbahner" vom 02. - 04 Februar 1934 wurde ein neuer Obmann gewählt: Richard Freund. Acht Tage später wurde er von der Polizei verhaftet und eingesperrt und das Eisenbahnerheim von der Heimwehr besetzt.

Am 16. Februar 1934 erfolgte die Beschlagnahme aller Vermögenswerte der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei und ihrer Organisationen. Mit einem Federstrich hatte das Eisenbahnerheim seinen Besitzer gewechselt und die Organisation ihr unter großen Opfern erbautes Domizil verloren. Am 05. März 1934 wurde der Bescheid über die Vereinsauflösung zugestellt.
Formell wurde das Eigentum der Freien Eisenbahnergewerkschaft am 23. September 1936 der "Kameradschaft der Bundesbahnbediensteten" einer Gruppierung der Arbeitsgemeinschaft des Beamtenbundes übergeben.

1938

Zwei Jahre später am 08. November 1938 wurde das Eisenbahnerheim dem "Reichsbund der Deutschen Beamten" einer Teilorganisation der "Deutschen Arbeitsfront" (DAF) einverleibt.

Das dunkelste Kapitel in der Geschichte des Hauses hatte begonnen.

1944

Am 10. September 1944 wurde das Gebäude durch einen Bombenangriff beschädigt und in den Jahren 1945 und 1946 durch Leopold Scheibl wieder aufgebaut.

1948

Aufgrund des Rückgabevergleiches vom 07.01.1948 und der Berichtigungsurkunde vom 08.03.1948 wurde das Eigentumsrecht für den Restitutionsfonds der Freien Gewerkschaften einverleibt.

Das Eisenbahnerheim verfügte noch über den historischen Veranstaltungsaal, der einst etwa 270 Personen Platz bot und von 1919 bis 28. August 1967, viel besucht, als Eisenbahner Kino bzw. "Eisenbahnerheim Lichtspiele“ genutzt wurde. Später diente er einige Zeit als Lagerraum und ab 1991 dem Volkstheater als Probebühne. Seit dem Herbst 2005 wird dieser Saal vom Volkstheater ("Volkstheater Hundsturm") als Außenstelle bespielt.

 Von 1961 bis 1963 wurde die Fassade im Erdgeschoßbereich durch Ferdinand Riedl (1920-2009) umgestaltet.

Zusätzlich wurde am Margaretengürtel 138 das "Kongresshaus Wien" angebaut. Dachgleiche war am 17. Juli 1961 und beim Gewerkschaftstag 17. - 20. Oktober 1962 eröffnet. Bis 2007 fanden alle Gewerkschaftstage und Konferenzen dort statt. Das Kongresshaus wurde aber auch während dieser Zeit für viele andere große und kleine Kulturveranstaltungen gerne genutzt.


Heutige Nutzung des Gebäudes

Die Puba Privatstiftung ist aufgrund ihres Stifungszwecks sehr daran interessiert sozialen Einrichtungen Heimat zu bieten. Gerade im Haus Eisenbahnerheim gelingt ihr das sehr gut. Das kann man auch an den eingemieteten Vereinen und ihrem Engagement sehr gut nachvollziehen.


Neunerhaus:

Für obdach- und wohnungslose sowie nicht versicherte Menschen ist die Margaretenstraße 166, die erste Anlaufstelle für Beratung, Medizinische Versorgung und gesunde Ernährung: Hier bietet die Sozialorganisation neunerhaus ein vielfältiges Hilfsangebot. Neben Büroräumlichkeiten in den Stockwerken haben im Erdgeschoß das neunerhaus Gesundheitszentrum, die neunerhaus Tierärztliche Versorgung sowie das neunerhaus Café ein Zuhause gefunden. Das neunerhaus Café bietet neben unbürokratisch zugänglicher Beratung unter der Woche täglich einen gesunden und hochwertigen Mittagsteller in gemütlicher und offener Atmosphäre – für alle.

www.neunerhaus.at


ATTAC:

Attac ist Teil der internationalen Bewegung, die sich für eine demokratische, soziale und gerechte Gestaltung der globalen Wirtschaft einsetzt. Ihr Ziel ist ein gutes Leben für alle – heute und in Zukunft lebenden – Menschen.


Austrian Study for Peace and Conflict Resolution (ASPR):

Das Austrian Study for Peace and Conflict Resolution (ASPR) wurde 1982 gegründet, um zivile und nachhaltige Strategien der friedlichen Konfliktlösung und Krisenprävention auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene zu entwickeln und zu vermitteln. Als erste Institution seiner Art bietet es Trainings im Bereich der internationalen zivilen Friedensentwicklung an. Das Hauptquartier des ASPR befindet sich in der mittelalterlichen Burg Schlaining in Stadtschlaining im Burgenland, etwa 135km südöstlich von Wien. Das Wiener Büro des ASPR befindet sich im 4. Stock des ehemaligen „Eisenbahnerheims“ in der Margaretenstraße 166.

Das ASPR arbeitet in folgenden Kernbereichen:

-Friedens- und Konfliktforschung: Das ASPR trägt durch Fachkonferenzen und Publikationen zum Dialog über aktuelle friedenspolitische Fragen und zur friedenspolitischen Bildung bei. 

- Kapazitätsentwicklung und Training für Peacebuilding: Der Schwerpunkt des ASPR liegt auf praxisorientierten Trainingsprogrammen, um Fachkräfte auf ihren Einsatz in Konflikt- und Krisenregionen vorzubereiten. 

-Mediation und Unterstützung von Friedensprozessen: Das ASPR ist ein Ort der Begegnung, an dem Friedensverhandlungen organisiert und begleitet werden.


TIW:

Der Verein T.I.W. verfolgt die Philosophie, dass jeder Jugendlicher Potenzial hat.

Ziel des Vereins ist es, Jugendliche bei der Arbeitsaufnahme zu unterstützen.

Dies erfolgt in sieben Projekten.

Der Schwerpunkt liegt in der Vorbereitung auf den Einstieg in die Arbeitswelt, der Unterstützung bei der Lehrstellen- oder Arbeitsplatzsuche und der Betreuung am Arbeitsplatz. 


Texte, Fotos und Pläne: Werner Harrer übernommen aus dem Archiv des Vereines "Eisenbahnerheim - Zentrum 166"



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